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27.10.19

Knusprige Käfer und knackige Experimente

Eine kulinarische Überraschung erlebten fünf Schüler des Beruflichen Gymnasiums in Chalon-sur-Saône. Entgegen der gängigen Vorurteile wurden in Frankreich weder Baguette noch Croissants zum Essen angeboten, sondern verschiedene Insekten. Die Verköstigung war Teil eines Erasmus-Treffens vom 22. bis 28. September. Zum dritten Mal trafen sich Schüler aus fünf Ländern, um am dreijährigen Projekt "Future Food" zu arbeiten. Außer den französischen Gastgebern und der BBS 1 beteiligen sich auch Schulen aus Elche (Spanien), Aalborg (Dänemark) und Graz (Österreich). In Burgund standen wissenschaftliche und technologische Aspekte der Ernährung der Zukunft im Fokus. Die Zusammenarbeit wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. An jeder beteiligten Einrichtung findet ein Treffen zu einem Schwerpunkt des Hauptthemas mit Vertretern aller Schulen statt. Dabei sind die Jugendlichen in Gastfamilien untergebracht.

Wie bei vorherigen Treffen lernten die von Yvonne Hero und Carsten Mey begleiteten Mainzer Schüler die anderen Teilnehmer vor der eigentlichen Arbeit erst einmal kennen. Deshalb stellten Besucher und Gastgeber sich, ihre Stadt und ihre Schule mit Präsentationen vor. Eine anschließende Stadtrallye in gemischt besetzten internationalen Gruppen brachte die Jugendlichen direkt dazu, in der Projektsprache Englisch miteinander zu reden. Als erste Aufgabe werteten die Teilnehmer die im Vorfeld gesammelten Materialien aus und erstellten daraus Präsentationen zum kulinarischen Angebot an den einzelnen Schulen.

Partnerschaften mit externen Firmen oder Institutionen sowie Exkursionen sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Erasmus-Treffens. So verbrachte die Gruppe den zweiten Projekttag an der Universität von Dijon. Dort zeigte die Besichtigung der Gewächshäuser und eines botanischen Gartens viele Details zur Forschung an exotischen und heimischen Pflanzen. Dabei sahen einige Schüler zum ersten Mal die Pflanzen zu beliebten Genuss- und Nahrungsmitteln, wie Kaffee-Büsche oder Bananen-Stauden.

Einen Querschnitt der Aktivitäten des Nationalen Instituts für Agrarwissenschaft (INRA) lernten die Schüler am Nachmittag kennen. Die unabhängige Forschungseinrichtung beschäftigt sich mit verschiedensten Aspekten der Ernährung. So stellten Experten Messinstrumente für den Geschmackssinn vor und präsentierten Maßnahmen zur Förderung der Attraktivität von Hülsenfrüchten. Ein Forschungsergebnis des INRA bewies den positiven Effekt des Verzehrs von grünem Blattgemüse auf die Sehkraft. Dies überzeugte manche Schüler, diesbezüglich nicht nur die allseits bekannten Karotten im Auge zu haben, sondern auch unpopuläreres Gemüse, wie Grünkohl. Neben der Theorie konnten die Jugendlichen einen anderen Bereich ganz praktisch kennenlernen: Sie tüftelten mit Hilfe von verschiedenen Geräten daran, Nahrung für ältere Menschen leichter verzehrbar zu machen. In der Mittagspause hatte die Gruppe Zeit für aktive Erholung und machte sich einen Eindruck vom Zentrum der Mainzer Partnerstadt Dijon.

Ihre gute Ausstattung der Chemie-Abteilung nutzten die Gastgeber für ein Experiment im schuleigenen Labor. Passend zu einem bedeutsamen burgundischen Lebensmittel simulierten die Teilnehmer die Weinherstellung. Sie stellten in Messreihen den Sauerstoff-, Kohlenstoffdioxid- und Ethanol-Gehalt von verschiedenen Flüssigkeiten fest. Mit der Zugabe von Hefe und Hitze beeinflussten sie die Messungen. Wie gut der eigene Geschmackssinn im Vergleich mit anderen ist, zeigte ein spielerischer Test in der Schulkantine. So schnell wie möglich mussten bei einer Reihe von Blindverkostungen einzelne Lebensmittel wie Senf, Olivenöl oder verschiedene Obst- und Gemüsesorten erkannt werden.

In einer großen Version des Pepsi-Tests ordneten die Teilnehmer verschiedene Cola-Sorten zu. Obwohl das Lehrer-Team bei der Cola noch mithalten und immerhin die zuckerfreie Variante von der Discounter-Eigenmarke unterscheiden konnte, musste es sich am Ende des Wettbewerbs knapp einer Schülergruppe geschlagen geben.    

Zum heimlichen Höhepunkt des Treffens avancierte am letzten Projekttag der Besuch bei der Firma La Freca. Nach einer landschaftlich durchaus reizvollen Fahrt stand die Gruppe im ländlichen Hinterland vor einer eher nichtssagenden Halle. Kein Schild, kein Hinweis deutete darauf hin, was sich hinter den Mauern verbarg. Erst seit einigen Jahren züchtet das Unternehmen hier verschiedene Insekten, die anschließend zum Verzehr zubereitetet und versandfertig gemacht werden. "In dem Gebäude hat vor uns eine Molkerei Käse reifen lassen, es war geradezu war ideal für unsere Zwecke", erklärte Firmengründer Quentin Bozonnet. Trotz der streng hygienischen Bedingungen der Lebensmittelzubereitung herrschte in den Räumen ein eigenwilliger Geruch, so dass einige Teilnehmer kurzzeitig an die frische Luft gehen mussten. Bei der Besichtigung erläuterte Bozonnet die Bedeutung von Insekten für die globale Ernährung. "Weltweit werden verschiedene Insekten verzehrt, die europäischen Essgewohnheiten sind die Ausnahme. Insekten könnten also in Zukunft auch bei uns ein wichtiger Ernährungsbaustein werden", so der Firmenchef. Zum Abschluss konnten sich die Besucher einmal quer durch die Produktpalette essen: Von knusprigen Käfern über geröstete Grillen und getrocknete Maden. Die (Geschmacks-)Nerven der meisten Teilnehmer hielten stand.

Bevor die Gruppe am letzten Projekttag auseinanderging, stellten die Schüler kurze Reportagen zu sämtlichen Besuchen und Aktivitäten fertig. Mit einem kreativen Filmclip fassten sie das Projektmotto in den verschiedenen Muttersprachen und Dialekten zusammen. Dann hieß es Abschied nehmen von dieser großen europäischen Erfahrung. Zufrieden reiste die Mainzer Gruppe in die Landeshauptstadt zurück. "Ich denke vor allem gerne an meine sehr nette Gastfamilie", erzählte Cameron auf der Rückfahrt. "Die Insektenverkostung hat perfekt zum Thema gepasst", stellte Celine fest. Und so blickt die Erasmus-Gruppe nach intensiven Erlebnissen für alle Sinne und knackigen Experimenten voll Vorfreude auf das nächste Treffen im kommenden Frühjahr in Elche, Spanien.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von: OStR Carsten Mey

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