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13.12.16

Mehr aus Müll

Müll. Überall Müll. Weggeschmissen und schnell vergessen. Unangenehm, stinkend. Nichts, womit man sich gerne näher beschäftigt. Doch genau das taten vom 28. November bis 2. Dezember insgesamt 22 Schüler aus vier Ländern mit ihren österreichischen Gastgebern in Graz. Die Aktion war Teil eines Erasmus+ Projekts, an dem neben der BBS 1 und der Graz International Bilingual School (GIBS) auch Schulen aus Aalborg, Dänemark, Chalon-sur-Saône, Frankreich, und Akureyri, Island, beteiligt sind. Die zweijährige Partnerschaft thematisiert in der Arbeitssprache Englisch Nachhaltigkeit. Fünf Schülerinnen der HBF Design und visuelle Kommunikation sowie HBF Gastgewerbe und Catering machten sich mit ihren Lehrern Petra Schlüter und Carsten Mey auf den Weg in die Alpenrepublik. Die Unterbringung in Gastfamilien ermöglichte den Schülerinnen dabei Einblicke jenseits der bekannten Touristenpfade.

In der Landeshauptstadt der Steiermark waren die Teilnehmer Müll und anderen Umweltbelastungen auf der Spur. Bereits vor dem Treffen hatten die Schüler Informationen gesammelt. Zum einen ging es um die Müllmengen und Abfalltrennung im gesamten Heimatland, zum anderen um die Situation an den einzelnen Schulen. Hierzu lieferten die Hausmeister der BBS 1 wertvolle Fakten. Nach Präsentation und Diskussion der Ergebnisse zum Auftakt des Arbeitstreffens berechneten die Schüler die CO2-Bilanz der Anreise der einzelnen Gruppen. Mit 500 kg CO2 kam die BBS 1 aufs Siegertrepperl. Der erste Platz war möglich, weil nur von Mainz aus die Anreise per Bahn praktikabel war. Bei einem Empfang im Rathaus erfuhr die Gruppe einiges über die aktuelle Kommunalpolitik. Hier zeigte sich, welchen Stellenwert Umweltthemen haben. Das wahrscheinlich entscheidende Thema bei den Wahlen zum Gemeinderat im Frühjahr 2017 wird die Frage nach einem neuen Wasserkraftwerk bei Graz sein. Einerseits würde dies „saubere“ Energie liefern, anderseits würde die Mur praktisch aus der Stadt verschwinden.  Dieser Fluss durch Graz misst vom Murursprung im Lungau bis zu seiner Mündung in die Drau an der kroatisch-ungarischen Grenze 453 Kilometer und trägt wesentlich zum Lebensgefühl in der steirischen Metropole bei.

Was mit dem Müll einer Großstadt passiert, erlebte die Gruppe mit allen Sinnen am folgenden Tag. Zunächst besuchten die Schüler das Recycling Center der Gesellschaft für kommunale Dienstleistungen Holding Graz. Was zunächst wie ein normaler Wertstoffhof aussah, entpuppte sich beim Rundgang als riesiges Zentrum, um den gesamten Restmüll von rund 280.00 Einwohnern zu sortieren. So konnten die Schüler vor Ort miterleben, welche Mengen in einen Abfall-LKW passen, wie die Mülltüten geöffnet und deren Inhalt getrennt und weiterverarbeitet wird. Bei der nächsten Besichtigung war der Name der Firma Programm: Die Saubermacher Dienstleistungs AG ist Österreichs führendes privates Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen. Am Standort Graz bereitet das Unternehmen vorwiegend Plastik auf. Ein hochkomplexes Sortiersystem sorgt für eine Trennung in verschiedene Stoff-Kategorien und ermöglicht eine Weiterverarbeitung. Der typische Geruch nach Getränkeresten ähnlich wie bei einem Container für Altglas und der Geräuschpegel der Förderbänder hinterließen nachhaltige Eindrücke.

Am Nachmittag teilten sich die Schüler in drei Gruppen mit kontrastreichen Schwerpunkten auf. Dem Müll und dessen Verursachern kamen die Teilnehmer am Hauptbahnhof noch näher. Dort erklärte ein Fachmann, welche Rückschlüsse auf persönliche Gewohnheiten der Müll in den Abfalleimern zulässt. Gestalterisch kreativ war das Angebot in der GIBS. Die Schüler schufen aus vermeintlichem Müll Weihnachtsdekoration. In der ein oder anderen guten Stube quer durch Europa werden heuer also ehemalige Bierdosen als Christbaum-Kugeln hängen. Wissenschaftlich aber dennoch praktisch war die dritte Gruppe aktiv. Sie besuchte das Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der Technischen Universität Graz. Dort untersuchten die Schüler Bakterien. Diese Mikroorganismen dienen unter anderem dazu, Abfälle schneller zu zersetzen oder unangenehme Gerüche von Biomüll zu bekämpfen.

Ganz im Zeichen der Wiederverwertung von Abfallprodukten stand der Donnerstagvormittag. Im Lend, dem IV. Grazer Stadtbezirk, sahen die Schüler, wie sich das ehemalige typische Arbeiterviertel zu einem Treffpunkt für Kunst und Kreativität gewandelt hat. Dort zeigten drei verschiedene Einrichtungen ihre Arbeit. Alle verbinden das Künstlerische mit einem karitativen Gedanken und verarbeiten Abfall. So ist tag.werk vor allem für die selbst hergestellten Taschen aus Kunststoff-Resten bekannt, die in der eigenen Werkstatt hergestellt werden. Junge Erwachsene ohne Arbeit können in der Institution der Caritas Berufserfahrung sammeln und Geld verdienen. Nach einiger Zeit bei tag.werk sind die Mitarbeiter so geschickt, dass sie auch individuelle Auftragsarbeiten umsetzen. Die Einrichtung finanziert sich aus Spenden und durch den Erlös der Produkte, die auch online bestellt werden können. Neben vielen Informationen erhielten die Schüler einen praktischen Schnellkurs von Designer Michael Einsner. Er zeigte ihnen, mit welch simplen Mitteln alte Kleidung in Tragetaschen umgewandelt werden kann.

Zum Abschluss der Arbeitswoche verarbeiteten die Schüler ihre Erfahrungen in einem Blog. Am letzten Projekttag besuchten die Schüler Unterricht an der GIBS. Da dort Englisch die Unterrichtssprache in sämtlichen Fächern ist, konnten die Schülerinnen der BBS 1 beispielsweise eine Kunststunde in der Fremdsprache erleben. Voll von positiven Eindrücken von Graz, der gastgebenden Schule und den Gastfamilien machte sich die Gruppe aus Mainz auf den Heimweg. Doch auch das Projekt-Thema ließ die Schülerinnen nicht los. Die Vorbeifahrt an einer Altpapierfabrik sorgte für lebhafte Diskussionen. Eines dürfte in Graz klar geworden sein: Müll ist nicht immer schnell vergessener Abfall, sondern kann vom nutzbaren Rohstoff bis hin zum Material für Kunst viel mehr sein.

Die englischsprachigen Texte der Teilnehmer des Erasmus-Treffens in Graz sind hier einsehbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von: StR Carsten Mey

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