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27.12.18

Essen gestern, heute und morgen

Den Lebensmitteln der Zukunft, vergangenen Ernährungsgewohnheiten und aktuellen Entwicklungen der Gastronomie waren Schüler aus fünf europäischen Ländern in und um Mainz auf der Spur. Die Woche vom 09. bis 15. Dezember 2018 war das Auftakttreffen für das neue dreijährige Erasmus-Projekt "Future Food" der BBS 1 mit Schulen aus Elche (Spanien), Aalborg (Dänemark), Chalon-sur-Saône (Frankreich) und Graz (Österreich). Die Schüler sollen die Bedeutung von Nahrungsgewohnheiten erfahren und motiviert werden, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.

Die Zusammenarbeit wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. An jeder beteiligten Einrichtung findet ein Treffen zu einem Schwerpunkt des Hauptthemas mit Vertretern aller Schulen statt. Die Arbeitssprache ist Englisch, die Jugendlichen sind in Gastfamilien untergebracht. Die Mainzer Schüler kamen vorwiegend aus den 11. und 12. Klassen des Beruflichen Gymnasiums. Die Organisatoren der Woche Bahar Caglar, Yvonne Hero, Petra Schlüter und Carsten Mey konnten sich auf starke schulinterne Unterstützung verlassen. So halfen Frank Wiß mit dem Förderverein sowie Helmut Schäfer mit der Schulbackstube und verkörperten das Motto "Europa lebt vom Mitmachen".

Bei der Eröffnungsfeier begrüßte Schulleiter Dr. Rüdiger Tauschek die Gäste und wies auf die Bedeutung solcher Austausche hin: "Schüler werden in Zukunft verstärkt Selbstlernkompetenz benötigen. Ein multinationales Arbeitstreffen ist die perfekte Möglichkeit, um diese auszuprobieren." Nachdem Besucher und Gastgeber sich, ihre Stadt und ihre Schule mit Präsentationen kurz vorgestellt hatten, begann eine erste Arbeitsphase. In international gemischt besetzten Gruppen werteten die Teilnehmer die im Vorfeld gesammelten Materialien aus. Dabei analysierten die Gruppen angesagte Gastronomiebetriebe aus den einzelnen Städten. Zudem verglichen sie Fragebögen zur Ernährung, die sie an die Eltern- und Großeltern-Generation gestellt hatten. Damit sollten die Traditionen in den einzelnen Ländern dokumentiert werden. Den Abschluss des ersten Tages bildete die Vorbereitung auf die Exkursion am kommenden Tag.     

Zunächst reiste die Erasmus-Gruppe mit dem Bus ganz in den Süden Rheinhessens. Beeindruckend für alle Sinne war dort die Besichtigung der Fabrik von Südzucker. Die zahlreichen bisher unbekannten Maschinen und Anlagen, die Geräuschkulisse und die Gerüche faszinierten die Besucher. Auch viele Fakten zum Standort hätten die Schüler nicht erwartet. So werden im Werk in Offstein bis zu 1.800 Tonnen Zuckerrüben am Tag verarbeitet. Die Jugendliche stellten fest, in welchen Dimensionen das "weiße Gold" trotz aller teils zuckerfeindlichen Trends in der Gesellschaft produziert wird. Von einer der produktivsten deutschen Zuckerfabriken ging es zum weltgrößten Chemie-Unternehmen und dem größten zusammenhängenden Produktionsstandort weltweit: der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik. Trotz der Stellung am Markt war die BASF vielen Gästen vorher nicht bekannt. Neben zahlreichen anderen Produkten ist das Weltunternehmen aus Ludwigshafen am Rhein in den Bereich Humanernährung, Tiernahrung und Pflanzenschutz tätig. Die Gruppe konnte also einen Einblick hinter die Kulissen der Produktion von Lebensmitteln erhalten und sehen, wo zahlreiche diesbezügliche Hilfsmittel herkommen.

Die Besucher staunten auf der Werksrundfahrt über die riesige Anlage des Steamcrackers, der in einem komplizierten Dampfspaltverfahren Ausgangsprodukte für Pflanzenschutzmittel liefert. Eine interaktive Ausstellung zu Produkten und zur Firmengeschichte lieferte weitere Grundlagen für ein Gespräch mit Dr. Gerd Diebold, Technisches Marketing Tiernahrung der BASF. Der Experte stellte sich den zahlreichen - auch kritischen - Fragen der Schüler und diskutierte mit ihnen über mögliche Entwicklungen. Durch seine vielen internationalen Kontakte kann Diebold den Markt gut einschätzen und sagte voraus, dass der weltweite Fleischbedarf gegen den Trend in Deutschland steigen wird. "Es wäre wünschenswert, wenn es anders wäre, aber wir brauchen Chemie, um die ganze Welt ernähren zu können", erklärte er den Schülern die globale Perspektive eines hochkomplexen Themas.

Nach dem intensiven Exkursionstag verarbeiten die Schüler mittwochs ihre Erkenntnisse in Berichten. Dann orientierten sie sich von der Lebensmittelproduktion hin zu Entwicklungen in der Mainzer Gastronomie. Dazu besuchten Gruppen jeweils Betriebe, die in bestimmten Bereichen Vorreiter sind, und führten Gespräche mit den Betreibern. Der Gasthof Grün verbindet leckere Gerichte mit sozialem Engagement. Hier sind auch psychisch erkrankte Menschen beschäftigt, die somit am Arbeitsleben teilhaben können. Ebenfalls in der Mainzer Neustadt lockt der "Schrebergarten" mit vegetarischen und veganen Köstlichkeiten. "Mittlerweile ist unser Angebot aber kein Trend mehr, sondern hat sich etabliert", berichtete ein Mitarbeiter und verdeutlichte den Schülern somit die Schnelllebigkeit der Branche. In der Altstadt war eine weitere Gruppe unterwegs. Als einer der ersten in Mainz schaffte es der Burgerladen dort, seine Produkte weg vom schnellen, billigen Fast Food Image zu bringen. Wie in allen anderen Betrieben testeten die Schüler das Angebot auch im Burgerladen.

Der Abschluss der Fachbesichtigungen war eine Führung hinter die Kulissen der Mensa der Universität Mainz. Hier konnten sich die Schüler einen praktischen Eindruck verschaffen, wie sie vielleicht später als Studenten speisen werden.

Fester Bestandteil eines Erasmus-Projekt sind immer auch die Kultur des Gastgeberlandes und Freizeitaktivitäten. So besuchte die Gruppe gemeinsam den Weihnachtsmarkt, besichtigte die Innenstadt und kraxelte in der Kletterhalle Clip 'n climb.

Die intensiven Eindrücke hielten die Schüler am letzten Arbeitstag in weiteren Berichten, Plakaten und einer filmischen Abschlusspräsentation fest. Nach einer Galerie und Gesprächsrunde zum Abschluss stand fest: die Schüler nehmen viele neue Erkenntnisse und Ideen mit nach Hause. Über das Thema hinaus lobten die Besucher die  Mainzer Gastfreundschaft. Bei einer spontanen Abschiedsfeier mit Gesang und Tanz zeigte sich, wie die Gruppe in den kurzen Tagen zusammengewachsen war. Der Abschied fiel nur deshalb nicht so schwer, weil es schon im kommenden April beim nächsten Erasmus-Treffen wieder heißt: "Future Food", diesmal in Aalborg, Dänemark.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von: OStR Carsten Mey

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